Stadt Bad Schussenried

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Historischer Rundgang durch Bad Schussenried

Der historische Rundgang führt vorbei an 22 markanten Besichtigungspunkten und informiert nicht nur über historische Gebäude, sondern auch über spezielle Plätze der Stadt.

Anhand des historischen Rundgangs können Sie sich die Geschichte Bad Schussenrieds „erlaufen“. Den Rundgang kann man im Hosentaschenformat in der Tourist-Information mitnehmen.

Punkt 1: Rathaus

Das stattliche Gebäude beherbergte seit seiner Fertigstellung im Jahr 1758 über die Jahrhunderte zahlreiche Institutionen. Schon auf den ersten Blick zeigt sich: Die Architektur ähnelt der des Klosters Schussenried. Anfangs war hier nicht nur eine Kaserne untergebracht, sondern auch ein Untersuchungsgefängnis der Klosterherrschaft, in der zeitweise bis zu zehn Gefangene ausharren mussten. Hauspatron über all die Jahrhunderte war der Heilige Märtyrer Laurentius, der unter anderem als Schutzheiliger für Schüler und Studenten fungiert. Da wundert es nicht, dass das Gebäude, dessen Baumeister Jakob Emele war, ab 1825 bis in die 1960er Jahre partiell auch als Schulhaus genutzt wurde. Nach Aufhebung des Klosters im Zuge der Säkularisation wurden 1803 zunächst acht Kleinwohnungen geschaffen. Bereits 1806 diente es als Rathaus. 1839 kaufte die Gemeinde Schussenried das Gebäude für 2200 Florentiner vom württembergischen Staat. Später kamen neue Schulsäle dazu. 1905 wurde mit Unterstützung der Schwestern vom Kloster Reute eine Kleinkinderschule eröffnet, deren Zweck die „sittlich-religiöse Erstarkung“ der Mädchen und Buben war. Im zweiten Stock wurde 1907 eine Realschule samt Lehrerwohnung eingerichtet, ein Jahr später kam ein Rathaussaal dazu. Die Polizei war hier bereits im Jahr 1910 präsent, später auch die Landespolizei und das Notariat. 1928 erfolgte die Eintragung in das Landesverzeichnis der Baudenkmale. Mit dem Auszug des Progymnasiums 1962 endete die schulische Nutzung der Räumlichkeiten.  

Punkt 2: Schlosserhaus

Um das Jahr 1680 erbaut, zählt das Schlosserhaus wohl zu einem der ältesten Häuser in der Stadt. Nicht nur wegen seines  hochbarocken Vorwalmdaches wird es der Regierungszeit von Abt Vinzenz Schwab zugerechnet. Erbauer ist der Schlosser Veith Beckh, der dafür vom Abt auf der Scheererwiese ein Grundstück zugewiesen bekommen hatte. 1823 übernahm das Haus Georg Kettnacker, der dasselbe Gewerbe ausübte und das Haus mit einer Scheuer ergänzte, die jedoch dem Kreissparkassen-Neubau (heute Rathaus-Apotheke) weichen musste. Rund 100 Jahre später erbte das Gebäude die Familie Geray. Das Wollgeschäft von Rosa Geray, das bis 1984 von ihr betrieben wurde, ist Vielen noch gut in Erinnerung.  

Punkt 3: Schulhaus und Wirtschaft

Im Jahre 1766 entschloss sich der Reichsstift, nach den Plänen von Jakob Emele ein Schulgebäude mit Lehrerwohnung außerhalb der Klostermauern zu errichten. Vier Jahre später war das Gebäude fertig und wurde dem Heiligen St. Alexius gewidmet. Anton Eisele hieß damals der erste Lehrer. Weil die Schule bald aus allen Nähten platzte, musste 1818 erstmals umgebaut werden, fünf Jahre später ein weiteres Mal. Im Jahre 1828 erwarb dieses Haus die Gemeinde Schussenried und wurde bald nur noch als Wohnhaus genutzt. 1867 ging es in Privatbesitz über. Um die Jahrhundertwende eröffnete im linken Teil des Gebäudes Konditor Albert Locher ein Café, das später von der Familie Setz übernommen wurde. Im rechten Teil betrieb der Strumpfwirker Amann ein Gemischtwarengeschäft. Heute befinden sich im Erdgeschoss die Wirtschaft „Moorbadstüble“ sowie ein Friseurgeschäft.

Punkt 4: Gletschergarten

Wenn Steine reden könnten, sie hätten vermutlich viel zu erzählen. Das trifft auch auf die mächtigen Gesteinsblöcke zu, die im Gletschergarten zu bestaunen sind. Die stillen Zeitzeugen sind Teil des Geologischen Lehrpfades, der über neun Stationen an die eiszeitliche Entstehungsgeschichte Oberschwabens erinnert. Die Findlinge wurden 1896 beim Bau der Schmalspurbahn, dem sog. „Buchauer Zügle“, entdeckt.

Punkt 5: Geburtshaus Wilhelm Schussen

Schriftsteller nehmen gerne vom Recht Gebrauch, sich einen Künstlernamen zuzulegen. So war es auch bei Wilhelm Frick, der am 11. August 1874 in Kleinwinnaden geboren wurde und dessen Eltern eine Gast- und Landwirtschaft betrieben. Mit der Entscheidung, den Künstlernamen Wilhelm Schussen anzunehmen, zeigte der ehemalige Realschullehrer, der später als Verlagslektor und Schriftsteller in München arbeitete, seine tiefe Verbundenheit zu seiner Heimat. Schließlich bezog er sich dabei auf den Fluss Schussen, der auf dem Weg Richtung Bodensee inzwischen auch mitten durch das schmucke Klosterstädtchen fließt. Bereits sein erstes Buch, der 1907 erschienene Schelmenroman „Vinzenz Faulhaber“, war ein Erfolg. Später folgten weitere Romane, Essaybände, autobiografische Schriften und Gedichte. Er galt als einer der populärsten und produktivsten schwäbischen Schriftsteller seiner Zeit. So wundert nicht, dass viele Straßen und öffentliche Gebäude in Oberschwaben seinen Namen tragen. Sein Freund Hermann Hesse lobte an seinen Büchern den „echt schwäbischen Eigenbrötler“. Im Juli 1935 wurde an seinem Geburtshaus eine Gedenktafel angebracht. Er starb am 5. April 1956 in Tübingen.

Punkt 6: Schussenursprung

Das ursprüngliche Bett der Schussen entspricht längst nicht mehr dem heutigen. Teilweise hat die Schussen selbst kraftvoll einen anderen Ablauf gesucht. Im Jahre 1624 floss die Schussen westlich vom Magnusweiher zur Oberen und Unteren Mühle. Um 1700 wurde der Schussenursprung zum Weiher verwandelt. Es entstand das untere und das obere Schussenweiherle, die wiederum in den Magnusweiher flossen. Dieser wurde 1750 trockengelegt. Der obere und untere Schussenweiher schließlich verlandete in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Bei der Tieferlegung der Schussen im Jahre 1866 stieß der Müller Luwig Kaeß auf eine Abfallgrube der Rentierjäger. Der Apotheker August Friedrich Vallet nahm sich dieser Funde an und hob unzählige Rentier-, Wildpferde-, Wolfs-, Bären-, Vielfraß-, Eisfuchs- und Schneehasenknochen aus. Oskar Fraas leitete die Ausgrabungen weiter und erkannte die hohe Bedeutung dieser Fundstelle. Es gelang, aus den Rentierknochen ein vollständiges Skelett herzustellen, das im Königlichen Naturalienkabinett in Stuttgart ausgestellt wurde. Die Funde wurden bei der Weltausstellung 1867 in Paris gezeigt. Der Gedenkstein an der Schussenquelle wurde vom Albverein aufgestellt.

Punkt 7: Findling

Beim Bau des Bahngleises nach Buchau im Jahr 1896 musste auf der Höhe des Schussenursprungs ein Erdeinschnitt vollzogen werden. Bei der Aushebung des Bodens stießen die Bauarbeiter auf diesen rundweg beeindruckenden Findling. Das Gewicht des nicht vollständig frei gelegten mächtigen Überbleibsels der Eiszeit wird auf rund 52 Tonnen geschätzt.

Punkt 8: Gedenkkreuz

Das Kreuz erinnert an den kampflosen Einmarsch der französischen Besatzungstruppen am 23. April 1945. Während die Soldaten, die aus Richtung Aulendorf anmarschierten, Richtung Biberach weiter zogen, wurde Schussenried von den aus Richtung Saulgau kommenden Soldaten besetzt. Sie stationierten eine kleine Nachhut, während die meisten Richtung Biberach weiter zogen. Aufgrund von „Missverständnissen“ wurde nach den Überlieferungen ein Bürger trotz kampfloser Übergabe erschossen. Das Kreuz wurde von der Firma Max Walser gefertigt, der aus Holz geschnitzte Christuskörper von Bildhauermeister Reutter aus Aulendorf. Die Einweihung des Kreuzes erfolgte während des Magnusfestes im Jahr 1948.

Punkt 9: Bürgerstüble

Warum das frühere Lehrerhaus, das 1796 von Jakob Schmid erbaut wurde, den Hausnamen „Adam und Eva“ trug, ist nicht überliefert. Bekannt ist jedoch, warum die 1885 angebrachte und im örtlichen Hüttenwerk (Wilhelmshütte) gefertigte Gedenktafel an Konradin Kreutzer erinnert: Der berühmte Musiker, Dirigent und Komponist studierte drei Jahre an der Klosterschule Schussenried und wohnte hier, im Haus des Gemeindeschullehrers, von 1796 - 1799. Um 1900 wurde die Wirtschaft um eine Kegelbahn ergänzt, etwa 1930 bekam sie den Namen „Konradin Kreutzer Stüble“. Bis Anfang der 70er Jahre gab es vor der Gaststätte eine Tankstelle. Malermeister Steinwandel sorgte mit einem im Jahr 1937 gefertigten Portrait im Wirtschaftsraum dafür, dass Konradin Kreutzer noch lange in Erinnerung blieb. Nach Kriegsende bekam die Wirtschaft wieder ihren ursprünglichen Namen „Bürgerstüble“. Dichtes Gedränge gab es hier stets beim Schneckenessen nach der Fasnet, bei der Namenstagsfeier von „Anton und Antonie“ oder wenn unter Leitung der Tanzschule Ludwig das Tanzbein geschwungen wurde. Mehrere Stammtische trafen sich hier regelmäßig, auch für den örtlichen Fußballverein war das Lokal jahrzehntelang ein fester Treffpunkt. 

Punkt 10: Gasthaus Wilder Mann

Über die Jahrhunderte wurden hier nicht nur Gäste bewirtet. Auch das Handwerk wurde auf vielfältige Weise ausgeübt. Bevor Friedrich Alber Mitte des 19. Jahrhunderts hier nicht nur eine Bäckerei, sondern auch eine Branntweinbrennerei mit einem Essighandel betrieb, ging in dem Haus mit dem ursprünglichen Namen „St. Felix“ zunächst ein Wagner seinem Handwerk nach. Bereits 1872 wurde das Gebäude von Alber zu einer Wirtschaft samt Kegelbahn umgebaut und erhielt den Namen „Wilder Mann“.  Zwischen 1873 und 1892 wurde hier auch Weißbier gebraut. Die Wirtschaft ging später von Friedrich Alber an Modest Alber über. Nach einem Umbau im Jahr 1898 kam zur Bäckerei eine Milch- und Mehlhandlung dazu. 1910 zerstörte ein Brand die Scheuer und die Stallungen. Vinzenz Danner hieß ab 1913, nach dem Tod von Modest Alber, der neue Besitzer des Anwesens. Bäckermeister Paul Danner ergänzte die Gastwirtschaft 1930 mit einem Wohn- und Geschäftshaus, in dem eine Bäckerei untergebracht wurde. Diese wurde von 1962 - 2001 von Familie Weishaupt geführt. Paul Widmann betrieb im rechten Teil des Gebäudes in den 30er Jahren ein Friseurgeschäft. 1993 hatte Familie Danner gleich zwei Gründe, ein Fest zu feiern: Zum einen wurde das 80-jährige Jubiläum des Gasthauses „Wilder Mann“ gefeiert. Zum anderen blickten Vinzenz und Gertrud Danner auf ein Vierteljahrhundert zurück, in denen die Beiden mit Leib und Seele Wirtsleute waren.  

Punkt 11: Obere Mühle

Der Bau der Oberen Mühle geht bis auf das Jahr 1220 zurück und wurde auch Sylvestermühle genannt. Nachdem Abt Arzet Mitte des 17. Jahrhunderts Umbauten vornahm, wurde die Mühle bis 1777 von der Familie Lorinser betrieben. Danach folgten mehrere Besitzerwechsel, darunter waren Eberhard Kloos, Johann Georg Zell, Anton Heinzelmann, Franz Xaver Kaeß, Richard Perrot sowie Ignaz Götz. Letzere verkaufte das Anwesen 1903 an die Familie Kehrle, die die Mühle bis 1980 betrieb. Bereits 1787 wurde im angrenzenden Garten eine kleine St.-Nepomuk-Kapelle erstellt. Die Mühle wich wenige Jahre später einem Geschäftshaus, das mit seinem Namen „Obere Mühle“ an die Geschichte des Ortes erinnert.  

Punkt 12: Kreissparkasse

Ein Wappen aus Sandstein an der rechten Seite des Gebäudes erinnert an  Abt Wittmayer, der das Gebäude 1512 erbauen ließ. Es wurde über die Jahrhunderte auf vielfältige Weise genutzt. Zunächst waren hier das Wirtshaus „Obere Wirtschaft“ („Löwen“) untergebracht sowie ein Gerichtshaus. Ein erstes bedeutsames Datum war das Jahr 1839, als König Wilhelm I. hier anlässlich eines Baustellenbesuchs der Wilhelmshütte sein Frühstück einnahm. Auch die ersten Faschingsveranstaltungen in Schussenried waren untrennbar mit diesem Ort verbunden. Um 1875 hat sich hier das örtliche Postamt niedergelassen, bevor es in das Kanz-
leigebäude verlegt wurde. Die feste Verwurzelung des „Löwen“ in Schussenried zeigte sich auch darin, dass nicht nur eine Straße nach der Gaststätte benannt wurde, sondern auch ein Sportplatz. Auch in den Kriegsjahren wurde auf die Räumlichkeiten zurück gegriffen, zunächst im Jahre 1909 zur Musterung der Schussenrieder „Jungmänner“. Auch die Heimkehrfeier der Soldaten nach dem Ende des Ersten Weltkriegs wurde im Saal abgehalten. 1926 erhielt die Gastwirtschaft eine Kegelbahn. Auch während des Zweiten Weltkriegs wurde das Gebäude auf unterschiedliche Weise genutzt. Unter anderem als Gefängnis, aber auch als Unterkunft für die französische Besatzung. Auch französische Ferienkinder fanden hier zeitweilig ein Zuhause. Kurz nach Kriegsende nächtigten hier elsässische Holzmacher nach ihrem anstrengenden Tagwerk. Ab 1949 wurden im Saal Hemden und Herrenanzüge gefertigt. Sechs Jahre später wurde aus der Gaststätte ein Hotel, ab 1964 durften sich die Gäste über eine neue Kegelbahn freuen. Eine gänzlich neue Nutzung erfuhr das Gebäude ab 1975, als die Kreissparkasse das inzwischen marode Gebäude gründlich sanierte und 1978 zur Eröffnung einlud.

 

Punkt 13: Uhlstein

Mit welch vielseitigen Talenten Albert Uhl gesegnet war, konnte die Leitung der Königlichen Heil- und Pflegeanstalt Schussenried bei der Einstellung des Musiklehrers im Jahr 1886 sicher nicht erahnen. Dass es für die ganze Stadt ein wahrer Glücksgriff war, stellte sich jedoch schnell heraus. Zunächst wurde er zum Dirigenten des Liederkranzes ernannt, ab 1890 übernahm er die musikalische Leitung des Musikvereins, komponierte und dichtete mit großer Freude. 1911 feierte er in der Heil- und Pflegeanstalt sein 25-jähriges Dienstjubiläum. Doch auch das Theater und der Journalismus ließen ihn nicht unberührt: So arbeitete er als Redakteur des Schussenboten und der Anstaltszeitung „Schallwellen“. Er verstarb am 15. Januar 1916, im selben Jahr wurde der Gedenkstein errichtet. Darüber hinaus erinnert eine Straße in Bad Schussenried an diesen vielfach begabten und weitum bekannten Bürger. Anlässlich der 75-Jahrfeier im Gedenken an seinen Todestag wurde beim Uhlstein eine Albert Uhl-Gedenkbank aufgestellt. Besonders an Weihnachten werden unweigerlich Erinnerungen an ihn wach: Sein wohl bekanntestes Weihnachtslied „Zum Heiligen Abend“ erfreut sich seit Jahren wieder einer zunehmenden Beliebtheit.

Punkt 14: Alte Apotheke

Das frühere Obervogts- und Amtshaus St. Gamalie stammt aus dem Jahr 1521. Im August 1638 wurde es ein Raub der Flammen, als eine „Beamtenfrau“ laut Überlieferungen in einem Ofen eine „Birrenhitze“ machte. Sie nahm die Glut aus dem Ofen, war überzeugt, dass alles gelöscht war und begab sich mit ihrem Mann und dem Pater Prior auf den Weg nach Biberach. Die erschreckten Gesichter nach deren Rückkehr kann man sich leicht ausmalen. Das Wappen von Abt Bernhard Henlin, der 1670 an dieser Stelle ein neues Haus errichtete, ist über dem rundbogigen Portal zu sehen: Zwei Hähnchen sind kampfbereit einander gegenübergestellt, darüber der Schussenrieder Löwe. Im September 1833 zog der erste Apotheker namens Flächer ein, der das Haus bald kaufte. 1845 übernahm Dr. August Friedrich Valet die Apotheke, der bereits durch die Knochenfunde am Schussenursprung von sich reden machte. 1874 ging das Geschäft an dessen Sohn Karl Friedrich Valet beziehungsweise Emil Valet. 1885 erwarb Paul Bardili die Apotheke. Nach dessen Tod übernahm sie 1894 Rudolf Hausner, rund 20 Jahre später Albert Josef Funk auf Pachtbasis. 1923 ging sie in den Besitz von Apotheker Storz über. 1933 wurde schließlich „100 Jahre Apotheke“ in Schussenried gefeiert. Zwei Jahre später wurde links vor dem Gebäude der Magnusbrunnen aufgestellt, welcher von Bildhauer Franz Kapser geschaffen wurde. 1952 trat Ekkehard Dochtermann in die großelterliche „Alte Apotheke“ ein und übernahm diese acht Jahre später. 1955 wurde das Gebäude renoviert, der Giebel freigelegt und eine Sonnenuhr angebracht. Seit 2010 wird die Apotheke von Beate Dochtermann geführt.

Punkt 15: Bahnhof

Die Geschichte des Bahnhofs nimmt ihren Anfang im Jahr 1844, als hier zunächst ein Warenschuppen und ein Wohnhaus gebaut wurden, letzteres von Anton Nussbaumer. Die Bahneröffnung erfolgte am 26. Mai 1849. Zur selben Zeit erhielt Anton Nussbaumer für sein Wohnhaus eine Ausschankgenehmigung  1851 wurde die erste „postalische Einrichtung“ eröffnet. Eine beständige Erweiterung des Bahngeländes kennzeichnete die folgenden Jahre. 1896 wurde eine Schmalspurbahn gebaut, das sogenannte „Buchauer Zügle“ hatte hier seine Endstation. Im Zuge der Umstellung des Bahnbetriebs von Torf auf Kohle um das Jahr 1900 wurden die großen Torfschuppen geschlossen. Das Bahnhofhotel, das 1907 im Auftrag von Julius Nussbaumer gebaut wurde, schloss seine Pforten 1974. Hier eröffnete Georg Britsch jun. 1989 einen Antik- und Antiquitätenhandel. 1909 war das Königliche Naturalienkabinett in Stuttgart ein weiteres Mal Empfänger eines seltenen Fundes aus Schussenried: Beim Bau eines Kohleschuppens wurde ein Elchskelett gefunden. Deutlich mehr Frachtgut gab es während des Zweiten Weltkriegs, weil der nahe gelegene Flugplatz in Reichenbach mit Munition und weiteren Gütern beliefert werden musste. In einem Bauzug der 7. SS Eisenbahnbrigade, der zum Ende des Zweiten Weltkriegs am Bahnhof „gestrandet“ war, waren polnische Häftlinge aus Konzentrationslagern eingepfercht. Die rund 200 Männer machten sich auf den Weg in die Stadt und wurden von der Gemeinde versorgt und untergebracht.

Punkt 16: Schussenrieder Brauerei

Auf dem Areal des Bierkrugmuseums wurde bereits um 1842 eine Speisewirtschaft betrieben, bevor das Gebäude 1849 ein Raub der Flammen wurde. Im selben Jahr begann Josef Krämer mit dem Bau eines dreistöckigen Wohn- und Schenkwirtgebäudes sowie einer zweistöckigen Scheune. Im folgenden Jahr bat er um Erlaubnis zum Bau und Betrieb einer zweistöckigen Brauerei. 1852 übernahm diese Johann Georg Nessensohn aus Berg bei Friedrichshafen. Sein Sohn Felix verkaufte 1888 das gesamte Anwesen „Zur Krone“ einschließlich Wirtschafts- und Braueinrichtung und mehreren Grundstücken an Gustav Sauter aus Altshausen. Im August 1906 erwarb Josef Ott, Braumeister aus Untermarchtal, das Gasthaus „Zur Krone“ samt kleiner Brauerei und Landwirtschaft für damals stolze 200.000 Goldmark. Die Erfolgsgeschichte nahm seinen Lauf.  Der rührige Braumeister konnte den Betrieb der Kronenbrauerei über beide Weltkriege hinweg aufrechterhalten. 1956/57 übernahm Erwin Josef Ott den elterlichen Betrieb, 24 Jahre später sein Sohn Jürgen Josef Ott. 1960 wurde aus der Kronenbrauerei die Marke „Brauerei Ott“, 1992 wurde „Schussenrieder“ als Dachmarke eingeführt. Im April 1994 folgte die Eröffnung von Deutschlands erstem Bierkrugmuseum mit angrenzender Museumsschänke. Seit 2006 ist Michael Ott Geschäftsführer und Inhaber in vierter Generation. Die hundertjährige Brautradition der Familie Ott wurde im Jahr 2006 gebührend gefeiert. Innovationen und eine stete Weiterentwicklung prägen auch weiterhin das Unternehmen. 2010 etwa folgte die Einweihung des hochmodernen Sudhauses, später wurde in eine Filtrationslinie investiert, 2015 fand der Modernisierungsprozess in der Installation einer Flaschenreinigungsmaschine seine Fortsetzung.

Punkt 17: Die Gaststätte "Klosterhof"

Schon im Jahr 1220 wird im Ort Schussenried von einer „Unteren Mühle“ gesprochen. Das Haus wurde nach dem Heiligen Julianus benannt, der als Schutzpatron für Reisende, Pilger und Gastwirte verehrt wird. Während der Klosterzeit werden in den Überlieferungen viele Leheninhaber genannt. Im Jahre 1809 ging die Mühle in den Besitz der Familie Kaess über. Danach folgten die Familien Ignaz Götz und Jaag, 1911 die Familie Klem, ab 1949 die Familie Hermann Ziller. Viele Jahre floss die Schussen durch das Gebäude und trieb das Mühlenrad an. Ende der 50erJahre wurde der Mühlenbetrieb eingestellt und ein Restaurant eingerichtet, das von Bianca Lotter betrieben wird.

Punkt 18: Törle

Das Wahrzeichen von Bad Schussenried, während der Klosterzeit als „Unteres Tor“ bezeichnet, wurde erstmals im Jahre 1501 erwähnt, als Abt Ludwig Mangold nach dem Dreißigjährigen Krieg zwei Glöcklein aufhängen ließ. Die integrierte Torwartwohnung diente ab 1614 dem Pförtner des „Konventstors“, wie es damals hieß, als Unterkunft, seit 1872 wird sie als Mesnerwohnung genutzt. Die kleine Glocke musste 1650 verkauft werden. Ab der Mitte des 17. Jahrhunderts bis in die 1970er Jahre hinein wurden mithilfe des verbliebenen Glöckleins „obrigkeitliche Verfügungen“ veröffentlicht. Erste größere Veränderungen gab es um 1800, als der Zwiebelturm durch einen Spitzturm ersetzt wurde.1931 wurde das viereckige Ziffernblatt durch eines rundes ersetzt. Das Bürstengeschäft, das Mesner Sitzmann von 1950 - 1990 hier betrieb, war weit über die Stadt hinaus bekannt. Als der Bahnbetrieb des „Buchauer Zügle“, das hier regelmäßig vorbei fuhr, deutlich zurückging, wurde 1962 die Bahnschranke entfernt. Stark frequentiert wird der Platz auch während der Fasnet, wenn hier das Prinzenpaar ernannt und anschließend die Masken „raus gelassen“ werden.

 

Punkt 19: Kaiserstein

Der Kaiserstein steht in unmittelbarem Zusammenhang mit der Gründung des Schussenrieder Kriegervereins im Jahr 1887. Für den Vorstand Ferdinand Kistler war der imposante, 146 Zentner schwere Stein aus dem Altdorfer Wald nahe Durlesbach wunderbar geeignet, in Form eines Gedenksteins „deutsche Kraft und Einigkeit“ zu symbolisieren. Die Einweihung erfolgte am 27. Januar 1889 vor dem ehemaligen Forstamt. Es ist wohl kein Zufall, dass am selben Tag Kaiser Wilhelm II. seinen Geburtstag feierte. 1895 wurde der Stein mit dem „ehernen“ (aus Bronze gefertigt) deutschen Aar (Adler) gekrönt. Elf Jahre später wurde die Ehrentafel für die 1870/71 ausmarschierten Schussenrieder Krieger angebracht, die in der Wilhelmshütte gegossen worden war. Hier wurden auch die Soldaten verabschiedet, die in den Ersten Weltkrieg ziehen mussten. Nach dem Zweiten Weltkrieg fehlte sowohl der Adler als auch die Gedenkplatte, auf der Kaiser Wilhelm II. abgebildet war. Jahrzehnte später, anlässlich des Magnusfestes 2007, wurde der Stein wieder vervollständigt. Die Bürgerinitiative Selbsthilfe Bad Schussenried (BisS) hat es mithilfe von Spenden möglich gemacht, dass sowohl eine Gedenkplatte als auch ein Adler angebracht werden konnten. Die Einweihung erfolgte noch im selben Jahr.

Punkt 20: Kriegerdenkmal

Nicht ohne Grund thront ein Standbild des Erzengels Michael auf dem Kriegerdenkmal des Ersten Weltkriegs. Der Heilige wurde nicht nur als Schutzpatron der Soldaten verehrt. Er gilt noch heute als Bezwinger des Teufels, als Heilkundiger und Anführer der himmlischen Heerscharen. Eingeweiht wurde das Denkmal des Bildhauers Karl Deibele aus Schwäbisch Gmünd am 10. Dezember 1923. Die vier Gedenksteine tragen die Namen der 127 gefallenen und vermissten Bürger. Mit geschickter Hand führten die Steinmetzmeister Kaspar und Maier die kunstvolle Gestaltung der Schrift aus. Bis 1975 wurde hier am Volkstrauertag die Trauerfeier abgehalten. 1958 wurde auf dem Friedhof eine Kriegergedächtnishalle gebaut, in der Steintafeln mit den Namen der Gefallenen beider Weltkriege angefertigt wurden. Diese wurden 1981 in die neue Aussegnungshalle gebracht.  

Punkt 21: Altes Kloster

Vom alten Kloster steht heute noch die Kanzlei beziehungsweise Kellerei. Dieser Bau schließt unmittelbar an die Kirche an und wurde 1649/50 gebaut. Heute befinden sich in diesem Gebäudeteil Privatwohnungen. Der südliche Flügelbau wurde als Konventsbau bezeichnet. Hier befanden sich die Wohnungen der Norbertinermönche. In diesem Gebäudeteil war das Refektorium (Speisesaal) untergebracht, in welchem 1657 zum ersten Mal gespeist wurde. Vor dem Konventsbau befand sich der Konventsgarten, welcher mit einer Mauer und einem Konventstor abgeschlossen wurde. Das Priorat sowie der Konventsbau mit den Krankenzimmern, die wiederum an die Kirche beziehungsweise Sakristei angrenzten, wurden beim Bau der Wilhelmshütte um 1840 niedergelegt. Ebenso wurden zwischen der Kanzlei und dem Konventsbau die großen Dachgiebel abgeändert. Die in diesem Bereich gelegenen Gebäude wie Werkstättengebäude, Klosterbäckerei und Pferdestallung wurden im Laufe der Zeit niedergelegt.

Punkt 22: Kloster Schussenried

Im Jahre 1750 wurde Jakob Emele mit Stimmenmehrheit zum Baumeister des neuen Klosters ernannt. Noch im selben Jahr wurde mit der Fundamentaushebung begonnen. Im Folgejahr war die Grundsteinlegung.

1752 konnte der Dachstuhl des Westflügels aufgerichtet werden.1753 konnte dieser Gebäudeteil geweiselt und quardiert werden. Im selben Jahr wurden mit dem Mittelbau und Nordflügel begonnen.
1754 war Baubeginn des Bibliotheksaals. Jakob Schwarzmann übernahm die Stuckarbeiten, Baptist Trunk übernahm die Galerie mit ihren Büsten und die überlebensgroßen Skulpturen wurden von Fidel Sporer hergestellt. Franz Georg Hermann malte die Deckenmalerei im Bibliotheksaal als auch in den Treppenhäusern. In diesem Jahr wurde der restliche Dachstuhl des neuen Klosters aufgerichtet. 1757 ging der prächtige Bau dem Bauende zu und im Oktober erfolgte die Einweihung des Westflügels.
1803 erfolgte die Säkularisation beziehungsweise Aufhebung des Klosters. Das Gebäude ging in den Besitz von Graf Sternberg Manderscheid. 1835 ging das Gebäude in württembergischen Besitz. Bis zur Eröffnung der Königlichen Heil- und Pflegeanstalt 1875 diente es als Wohnungen und Diensträume für Beamte. Die Königliche Heil- und Pflegeanstalt beziehungsweise später Psychiatrisches Landeskrankeshaus behandelte hier bis 1996 Patienten. Heute ist es wieder im Besitz des Landes Baden-Württemberg.

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